“Das kommt gar nicht in die Tüte” – HNA-Interview mit Hanns Kniepkamp

5. Oktober 2013 | Von admin | Kategorie: Aktuell

Ein Artikel aus der HNA vom vergangenen Spezialitätenfestival 2013. Immer noch aktuell!

V O N C L A U D I A B R A N D A U
MELSUNGEN. Über 50 Lebensmittelhandwerker stellen am Sonntag, 13. Oktober, ihre Produkte bei der Veranstaltung
„Nordhessen geschmackvoll“ in der Melsunger Innenstadt aus. Wir sprachen mit Dr. Hanns Kniepkamp vom Convivium Slow Food Nordhessen über gutes Essen.

Sie bezeichnen die Aussteller beim Spezialitätenfestival nicht als Aussteller, sondern als “Lebensmittelhandwerker”. Ist das nicht übertrieben?

Dr. Hanns Kniepkamp: Nein, keinesfalls! Denn sie alle stellen Lebensmittel in handwerklicher Art her.

Das ist doch selbstverständlich.

Kniepkamp: Wieder nein: Es ist gar nicht selbstverständlich. Es ist sogar alles andere als selbstverständlich. Wer bei Nordhessen geschmackvoll mitmachen möchte, muss uns im Vorfeld eine detaillierte Zutatenliste seiner Produkte einreichen und die samt der Herstellungsweise offenlegen. Dann schauen wir, ob das unseren Kriterien entspricht.

Wie streng sind denn diese Kriterien?

Kniepkamp: Sie geben klar vor, dass die Handwerker in der Herstellung auf Aromen, Geschmacksverstärker und weitestgehend auf Zusatzstoffe verzichten.

Also sind sie sehr streng.

Kniepkamp: Wir veranstalten nun einmal keine simple Fressmesse, sondern verfolgen ein klares Konzept. Wir wollen zeigen, dass gute, nachhaltig hergestellte und faire Lebensmittel auch ohne Zusatzstoffe auskommen und trotzdem gut schmecken. Kurz gesagt, sie sollen gut, sauber und fair sein. Fair im Sinne, dass alle, die diese Nahrungsmittel herstellen, auch davon leben und ihren Unterhalt bestreiten können.

Der Andrang beim Festival in den vergangenen Jahren war immer groß: Das Konzept kommt bei den Verbrauchern anscheinend gut an.

Kniepkamp: “Verbraucher” ist ein schlimmes Wort. Als ginge es nur ums Verbrauchen! Der Begriff “Ko-Produzent” ist doch viel treffender. Jeder, der Lebensmittel kauft, bestimmt damit, wohin die Reise geht.

In welche Richtung sollte sie denn gehen?

Kniepkamp: In Richtung gute, nachhaltig erzeugte Lebensmittel, die frei sind von Zusatzstoffen. Geschmacksverstärker und Stärkezucker beispielsweise sind Dinge, die ein Produkt billiger machen aber keinesfalls wohlschmeckender.

Die meisten Menschen finden es super, wenn eine Wurst herzhaft gewürzt ist.

Kniepkamp: Das finde ich auch gut. Die Frage ist jedoch, wie kommt die Herzhaftigkeit zustande? Was schmecken wir überhaupt noch? Man muss seinen Geschmackssinn stets weiterbilden, man muss ihn trainieren und mit ihm üben und das ohne Geschmacksverstärker wie Glutamat, das die natürliche Aromen überlagert und überdeckt.

Sie setzen bei Ihren Mitmenschen ein großes Interesse an Lebensmitteln voraus.

Kniepkamp: Das Interesse der Menschen an ihrer Nahrung ist seit den vielen Lebensmittelskandalen in der Tat viel größer geworden, das ist keine Frage.

Aber es könnte noch größer sein?

Kniepkamp: Ja, auf jeden Fall. Auch die Neugier könnte noch größer sein. Es gibt einfach eine unglaubliche Vielfalt an köstlichen Lebensmitteln. Bei Nordhessen geschmackvoll stehen in diesem Jahr Hülsenfrüchte im Mittelpunkt. Linsen, Bohnen, Erbsen in allen Farben, Größen und Geschmacksrichtungen. Und zu jeder Sorte gibt es jede Menge Wissen und Hintergründe eine eigene Geschichte: Das ist einfach fantastisch.

Hand aufs Herz: Wenn es bei Ihnen im Alltag mal schnell gehen soll greifen Sie dann zu Fertigprodukten?

Kniepkamp: Nein. Der Trend zum Tütenaufreißen ist mir völlig fremd. Für diejenigen, die kochen können, gibt es eine Fülle von Rezepten, die fast genauso schnell gehen, wie das Tütenaufreißen. Es ist eben eine Frage der Prioritäten.

Von Claudia Brandau

 

 

Zum kompletten Artikel (pdf):

Ng Ankündigung HNA

 

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